Mittwoch, 8. Juni 2016

#Technik: Testbericht ScubaCapsule - Das IPhone taucht in eine neue Welt


Testobjekt:  ScubaCapsule 

###Update 22.10.2016:
Anbei der direkt Link zum fertigen Rot- und/oder Magentafilter für die Scubacapsule. Ebenfalls wurde eine Lösung/Option entwickelt für ein einfaches Menü wechseln unter Wasser, der "Menu Changer":
Magic-Filter für Scubacapsule 

Montagevideo:

###

Das Smartphone ist längst zu DEM Alltagsbegleiter geworden und kein anderer hat diesen Hype so geprägt wie Steve Jobs Apple und ihr IPhone. Teilweise nimmt die Verehrung sektenhafte Züge an. Ohne es geprüft zu haben bin ich mir sicher, dass es selbst Apps für den Toilettengang gibt. Es folgt dir überall hin auf der Welt. Es knipst, es filmt, es hält Geodaten fest, es ist zu einem ständigen Begleiter geworden. Zu Land, zur Luft, im Wa Nein! Dort musste man, abgesehen von ein paar Täschchen für die ersten Meter, bisher auf das Iphone verzichten. Oder durfte, je nach Standpunkt. 

Ich gehöre ehrlicherweise zur zweiten Gruppe. Befreiend das Gefühl abzutauchen und für niemanden erreichbar zu sein. Ohne Handynetz, ohne Mails, ohne WLAN, ohne Iphone. Doch was wäre die Technik wenn Sie nicht kontinuierlich weiße Flecken auf der Landkarte beseitigt. Die Scuba Capsule International GmbH  hat sich dieser Lücke angenommen und senkt nun nach etwas mehr als zwei Jahren final den Daumen über Ihrem Produkt, fertig zum Abtauchen! Passend für Iphone 5 & 6. Das Iphone wird somit auch zum mobilen Begleiter unter Wasser. Es schickt sich an Tauchcomputer, Logbuch, Foto- und Videokamera in einem zu sein und das bis zu einer Tiefe von 150m. Ja selbst die Integration des Finimeters ist in Planung und Vorbereitung. Bis in den hochanspruchsvollen Apnoe- oder Trimix-Bereich bietet die App ihre Lösungen. Keine Frage, bietet sich die Gelegenheit solch eine Kapsel zu testen, dann darf man die nicht verstreichen lassen.

Und so nehme ich das kleine Ding nun mit auf meine 14-tägige Tauchsafari in den Sudan.


Das Auspacken:
Haptisch scheint man sich seiner Klientel bewusst zu sein. Das Iphone setzt Maßstäbe im Design, die Scuba Capsule folgt und ummantelt unser bestes Stück elegant. Man würde am liebsten direkt ins Wasser springen damit. Aber es ist auch ein ganz schöner Brocken mit seinen 500g. 

Erste Schritte: 

Als einer der ersten Nutzer bekomme ich am Freitag Abend noch eine einstündige Schulung vom Geschäftsführer persönlich. Das ist Einsatz, mir raucht aber auch ganz schön der Kopf danach. Diese App durchringt man nicht im Vorbeigehen, umfassend sind die Möglichkeiten. Aber ich habe glücklicherweise ein paar Notizen mitgeschrieben und einen ersten Eindruck gewonnen. Bei der zweiten eigenständigen Trockenübung läuft es bereits viel flüssiger. 
 
Die App:
Was hat Apple zu seinem weltweiten Erfolg verholfen? Die Intuitive Bedienung seiner Geräte. Und auf den ersten Blick setzt diese auch die App hervorragend um. Große Symbole, alle bekannten Wischaktivitäten und weitere Funktionen aus dem Iphone finden sich so auch in der App wieder. In der Bedienungsanleitung wird auf alle Punkte detailliert eingegangen.


Um euch trotzdem einen kurzen Überblick über die Funktionen der App zu geben jeweils ein paar Worte zu jedem Untermenü. 

In " Medien" findet man später die während dem Tauchgang aufgenommen Fotos und Videos. Hat man die Standorterkennung aktiviert so kann man Sie später auch nach diesen sortieren lassen. 



Das "Logbuch" ist selbsterklärend, und kann dann doch so viel mehr. Neben Statistiken und einer Karte auf der die Tauchplätze markiert werden kann man seine Zertifikate, die Tauchtauglichkeit und weitere Versicherungen in die App laden und hat immer alles parat. In der "Oberfläche" wird die aktuelle Oberflächenpause, die restliche Flugverbotszeit und die Gewebe Relax Zeit angegeben. 


Im "Manual" gelangt man zur Bedienungsanleitung. Im Modul "Ausrüstung" kann man sich dann so richtig austoben. Wer will kann unter "Sonstiges" sogar seine verschiedenen Badehosen eintragen, aber z.B. auch Rebreather-Typen können angelegt werden oder Atemregler. Zum jeweiligen Eintrag können Revisionsdaten, Kaufbelege oder ähnliches eingegeben bzw. hochgeladen werden. Wer will, hat hier am Ende zentral alles abgespeichert. Am besten noch in den Notizen festhalten wo man das Original des Kaufbelegs hingelegt hat ;-)


Im "Tauchplan" kann man einfache Dinge wie Nachrichten die während des Tauchgangs bei vordefinierter Tiefe oder Zeit erscheinen oder auch komplexe wie den Trimix-Rechner finden. Ebenso kann man einen Tauchgang vorausplanen oder Tauchgangsphotos nochmal begutachten. 

Im Herzstück "Einstellungen" gibt es Spielereien wie die Wahl des Designs für den Tauch-Modus oder den Hintergrund, es geht aber auch ans Eingemachte. Tiefenalarme, Dekoalarme, ppO2-Anteil, Tiefe und Länge des Sicherheitsstops, alles lässt sich vorab definieren um bei jedem noch so ablenkendem Tauchgang nicht die wesentlichen Dinge aus dem Auge zu verlieren. 
Wichtig ist im Untermenü "Energie" noch die Schwelle für den Stromsparmodus des IPhones, wird dieser unterschritten ist das filmen und fotografieren deaktiviert und der restliche Saft konzentriert sich nur auf die Aktivitäten als Tauchcomputer. Man kann sein eigens Profil vervollständigen, später mit diesem dann in der Scubacapsule-Welt aktiv werden. 

Um nur mit dem nötigsten loslegen zu können sollte man sich zumindestens mit dem Untermenü "Flaschen" vertraut machen. Hier kann man recht schnell und einfach verschiedene Flaschengrößen und Gasgemische anlegen die vor dem Tauchgang schnell ausgewählt werden. Wer zum Beispiel zwei 12l-Flaschen Nitrox mit 28 und 29% angelegt hat muss nicht vor jedem Tauchgang die Parameter der Flasche ändern , sondern wechselt einfach die Flasche. Und das ist auch unter Wasser noch möglich, falls sich doch mal ein Fehler eingeschlichen hat. "Synchronizes" wird mit der Zeit den Abgleich mit einer virtuellen ScubaCapsule-Welt ermöglichen. Über "Kapsel" gelangt man zur Homepage.


Vorbereitungen für den Tauchgang:

Bevor ich das IPhone in seine neue Welt eintauchen lasse muss die Scubacapsule-App geöffnet sein. Rastet das IPhone über den Lightning connector der Elektronik ein springt die App automatisch in den Beach-Modus, von dort komme ich automatisch ab einer Tiefe von 1m in den Tauchmodus, kann diesen aber bereits auch an der Oberfläche aktivieren. Auch kann ich im Beach-Modus noch kurzfristig die Flasche wechseln, sollte ich merken dass ich doch ein anderes Gemisch tauche.
Befestigt werden kann es an beiden Längsseiten über ein gängiges 1/4-Zoll-Gewinde oder auch über ein Band.


ScubaCapsule ready to go
 
Der 1. Tauchgang:
Ich vertraue den Machern voll und ganz und nehme nicht die leere Capsule mit zum 1. Tauchgang. An die Umbria geht es direkt voll beladen, Capsule + IPhone. Und was soll ich sagen: Dat Ding geht! Für die Macher sicherlich eine Selbstverständlichkeit, ich bin dennoch erleichtert dass mein IPhone seinen ersten Ausflug unter Wasser gut übersteht. Und auch der Wechsel zwischen den einzelnen Modi gestaltet sich wie gewünscht, man muss sich allerdings an eine kleine Verzögerung gewöhnen. Der Abgleich zwischen meinem Tauchcomputer und dem IPhone  liefert identische Werte. Tauchtiefe liegen um 40cm beieinander, Tauchzeit exakt und die Wassertemperatur empfinde ich persönlich mit 28 Grad am IPhone näher am wahren Wert als die 30 Grad des Mares. Schnell geht es weiter in den Foto-und Videomodus.
Fotos gehen leicht von der Hand, allerdings reicht die Verschlusszeit nicht um sich schnell bewegende Objekte scharf abzulichten.  Landschaftsaufnahmen gelingen. 

 

Gewechselt in den Videomodus liefert das IPhone im Einklang mit meiner Videoleuchte das gewünschte bestechende Ergebnis. Die Nacktschnecke braucht keinen Actioncam-Vergleich zu scheuen. Lässt man es in den geeigneten Tiefen und bei Landschaftsaufnahmen dann noch mit einem Rotfilter ans Werk entstehen farbenfrohe Aufnahmen die im Anschluss direkt beim Deko-Bier den bewundernden Mittauchern gezeigt werden können. Gegenüber einer Actioncam gibt es allerdings den Nachteil eines fehlenden Weitwinkels.

 

Tiefenprofil Tauchgang
Mit erreichen des Safety-Stops blinkt ein deutlich sichtbarer roter Querbalken auf der die Zeit runterzählt. Mit bestätigen über den Licht-Sensor kann ich ungestört weiter Filmen und fotografieren. Cooles Gimmick: unterschreite ich wieder die Tiefe von 6m vibriert die Capsule kurz einmalig. Ich bin informiert über das unterschreiten der Grenze, wenn ich es aber bewusst gemacht habe nervt mich die Capsule auch nicht zu Tode. 

Insgesamt habe ich über einen 60-Minütigen Tauchgang mit viel Filmen und fotografieren ca. 50% des IPhone-Akkus verbraucht. Für ein Tauchcomputer natürlich viel, für eine Actioncam im Rahmen des Normalen. Das man es vor jedem Tauchgang laden sollte versteht sich von selbst. 



Nach dem Tauchgang findet man die geschossenen Fotos und aufgenommenen Filme vertraut unter "Medien" wieder. In der Statistik findet sich der Tauchgang inkl. GPS-Daten und einige Parameter können nachträglich noch hinzugefügt werden, wie z.B. die Benennung des Tauchplatzes und automatisch wird er den vergebenen GPS-Daten zugeordnet. 



Im Log des einzelnen Tauchgangs findet man ebenfalls auch die während des Tauchgangs geschossenen Fotos und gedrehten Filme wieder. Tippt man in den Bereich der "Einstiegszeit" öffnet sich das Tiefenprofil des absolvierten Tauchgangs. Mit dem kann man dann entweder prahlen oder es klammheimlich das nächste Mal einfach besser machen ;-)
Natürlich kann man auch den Tauchgang bewerten, Notizen hinzufügen, Sichtweite, Wellen, Wetter u.v.m. vermerken und hat es mit wenigen Klicks beim nächsten Urlaub wieder parat. Möglicherweise besonders interessant für Guides oder Basenbesitzer ist die "Teilen"-Funktion. Kinderleicht ist mit wenigen Kicks der letzte Tauchgang auf Facebook geteilt und ein oder mehrere Bilder der gesichteten Highlights angehängt.
Dieser Bereich ist wirklich sehr gelungen. 

 

Beim zweiten Tauchgang packe ich die Capsule in mein Jacket da ich auch meine große Kamera mit unter Wasser nehme. Aber im Jacket bekommt die Capsule das abtauchen nicht mit. Sie verbleibt im Beach-Modus. Auch danach komme ich manuell nicht in den Tauchmodus. Ein kleiner SW-Bug den es zu beheben gilt.

Eine weitere nennenswerte Verbesserung wäre ein effektiver Standby-Modus und eine Sperrfunktion, sowohl unter als auch über Wasser. Durch Übergabe der Capsule ins Zodiac oder während der Zodiac-Ausfahrt ist es immer wieder vorgekommen dass die Capsule in den Filmmodus gegangen ist oder noch gewesen ist und dann begonnen hat zu filmen. Ein Alptraum für den Akku. Über eine sinnvolle Sperr- und/oder Standyfunktion könnte man das Iphone den ganzen Tag über im Gehäuse lassen während einer Tauchsafari. 3 Tauchgänge wären so kein Problem. Und aus "gut unterrichteten Kreisen" wurde mir bereits mitgeteilt, dass diese Funktion im nächsten "Appdate" enthalten sein wird.


Fotos und Videos mit AutoMagic-Rotfilter:
Selbst ein Iphone kann den Gesetzen der Physik nicht trotzen. Jeder Meter Wassertiefe schluckt den Rotanteil aus Bildern und Videos. Und was für etwas über zehn Jahren für Spiegelreflex und später für Kompaktkameras verwendet wurde ist natürlich auch für das Iphone einsatzbereit.Abgetaucht mit einem Entwicklungsfilter von www.magic-filter.de konnten auch mit dem Iphone farbenprächtige Aufnahmen aufgenommen werden:




Fazit:
Insgesamt begleitet mich die Scubacapsule bei 23 Tauchgängen im Sudan. Auf der interaktiven GPS-Karte der geloggten Tauchgänge konnte man anschließend tatsächlich schön unsere Route erkennen, auch wenn es beim ein- oder anderen Eintrag noch etwas Probleme mit der GPS-Position und Uhrzeit gegeben hat. Über diese 23 Tauchgänge gab es nicht das geringste Problem mit einer Undichtigkeit, die Funktionen des Tauchcomputers wurden vollständig erfüllt. Die Intensität mit der man sowohl das Iphone aus dem Gehäuse holt als auch die Menüs unter Wasser wechselt muss man sich etwas aneignen und herausfinden. 
Alles in Allem ist hier eine echte Option entwickelt worden wie man das Iphone auch unter Wasser mitnehmen kann, das hohe Maß an Qualität, Funktionalität und Design spiegelt sich allerdings auch, wie in allen Lebensbereichen, im Preis wieder. Ca. 950€ sind für die Variante des Iphone 5 zu berappen, 1050€ für das Iphone 6/6S. Dann braucht man sich aber auch keine Sorgen mehr machen ob man mit dem Iphone noch einen Meter tiefer abtauchen kann, ja man kann!